Selbständig in Deutschland

Dies ist das erste Kapitel eines E-Book für alle, die sich als Einzelunternehmer in Deutschland selbständig machen wollen. Das Kapitel ist eine Leseprobe als Entscheidungshilfe zu Kauf oder Nicht-Kauf des E-Books. Das E-Book ist noch nicht fertig. Sobald ich eine erste komplette Version fertig habe, wird man es auf dieser Seite für voraussichtlich 5 Euro kaufen können.

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Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird hier nicht auf alle Details und Fälle eingegangen. Ich habe nach persönlicher Meinung und bestem Urteilsvermögen diejenigen Sachverhalte ausgewählt, die auf den Großteil der Leser zutreffen könnte. Es kann trotzdem immer sein, dass ein relevanter Sachverhalt hier nicht erwähnt wird. Eine endgültige Antwort kann daher nur ein Steuerberater oder Anwalt geben.

1 Wie fängt man an?

1.1 Wenn man bereits irgendwo arbeitet

Wenn man bereits irgendwo arbeitet, hat der Arbeitgeber ein Anrecht darauf, dass man während der Arbeitszeit geistig und körperlich voll verfügbar ist. Im Gegenzug verzichtet der Arbeitgeber auf ein Anrecht auf ein bestimmtes Arbeitsergebnis. Wenn ihm das Arbeitsergebnis nicht gefällt, kann er zwar kündigen, er muss jedoch das Gehalt bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses weiterzahlen. Aus dieser Überlegung heraus unterliegen Nebentätigkeiten gewissen Beschränkungen, und oft möchte der Arbeitgeber von Nebentätigkeiten in Kenntnis gesetzt werden. Das steht im Arbeitsvertrag. Grundsätzlich verbieten darf er Nebentätigkeiten jedoch nicht.

Die meisten Arbeitsverträge enthalten jedoch ein Wettbewerbsverbot. Falls dieses Verbot durch die selbständige Tätigkeit berührt wird, muss man mit dem Arbeitgeber sprechen. Im Zweifelsfalle bleibt einem nur, zu kündigen, oder sich eine andere Nebentätigkeit zu suchen.

Die Wohnung als Geschäftsraum

Die Benutzung einer zu Wohnzwecken gemieteten Wohnung für Unternehmensbelange unterliegt bestimmten Einschränkungen. Solange man aber kein Lager aufbaut, ständig Kunden empfängt oder vor dem Eingang ein Firmenschild anbringen will, steht einer Benutzung als Geschäftsräume meist nichts im Wege. Im Zweifelsfalle spricht man am besten mit seinem Vermieter.

1.2 Der erste Kunde, das erste Projekt – erstmal ausprobieren

Wenn man bereits einen willigen Kunden an der Hand hat, und guten Gewissens sagen kann, dass man die Sache erstmal ausprobiert, und sich das auch in der Auftragssumme und der Projektdauer widerspiegelt, kann man ohne weitere Formalien sofort beginnen. Die Rechnung schreibt man ohne Umsatzsteuer. Der Gewinn wird in der Einkommensteuererklärung als „Sonstige Einkünfte“ in Anlage SO angegeben. Bis 256 Euro sind diese steuerfrei, ab 257 Euro erhöhen sie mit dem gesamten Betrag die Einkünfte und unterliegen der Einkommensteuer. Sollte man allerdings Geschmack an der Sache finden, der Kunde ein Folgeauftrag haben, oder man selbst weitere Kunden, muss man die Sache auf sichere Füße stellen. Solange man alleine arbeitet, und keine andere Gesellschaftsform wählt, ist das Unternehmen dann ein Einzelunternehmen, und man selbst Einzelunternehmer.

1.3 Gewerbe oder Freiberuf?

Jetzt stellt sich die Frage nach der Art der Tätigkeit. Es gilt zwischen freiberuflichen und gewerblichen Tätigkeiten zu unterscheiden. Bei gewerblichen Tätigkeiten braucht man einen Gewerbeschein, der Gewinn unterliegt der Gewerbesteuer (ab 24.500 Euro Gewinn im Jahr), man ist Zwangsmitglied in der Industrie- und Handelskammer (IHK) und muss Mitgliedsbeiträge entrichten (ab rund 5000 Euro Gewinn im Jahr) und man hat später mehr Buchhaltungsaufwand. Bei einer freiberuflichen Tätigkeit dagegen braucht man keinen Gewerbeschein, es fällt unabhängig von der Höhe des Gewinnes keine Gewerbesteuer an und die Buchhaltung bleibt einfach.

Wann gilt eine Tätigkeit nun als freiberuflich? Steuerrechtlich ist das im §18 Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt. Die Begriffe werden in den Gesetzen nicht einheitlich benutzt. Im Einkommensteuerrecht werden die Begriffe „Einnahmen aus Gewerbebetrieb“ und „Einnahmen aus selbständiger Arbeit“ (=Freiberuf) verwendet. Freiberuflich sind eine Reihe von Berufen, die sogenannten Katalogberufe, die im Gesetz so aufgezählt werden, u.a. Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Ingenieure, Architekten, Journalisten, Übersetzer und Dolmetscher sowie ähnliche wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten.

Im Gewerberecht gilt eine leicht abweichende Definition. Es kommt daher auch vor, dass man steuerrechtlich Freiberufler ist, aber gewerberechtlich ein Gewerbe hat. Wenn man mehrere verschiedene Dinge macht, ist es auch möglich, dass man sowohl gewerblich als auch freiberuflich tätig ist. Die Abgrenzung ist nicht immer klar und eindeutig. Im Zweifelsfall kann man bei seinem Finanzamt und seinem Gewerbeamt nachfragen.

Die Gewerblichkeit der Tätigkeit im Gegensatz zur Freiberuflichkeit ist ein sehr wichtiges Stichwort. Nicht jede Selbständigkeit ist eine gewerbliche Tätigkeit, und viele Vorschriften und Gesetze beziehen sich nur auf Gewerbe. Es lohnt sich, darauf zu achten.

1.4 Der Gewerbeschein

Nur wenn die Tätigkeit gewerblich ist, muss sie beim zuständigen Gewerbeamt, das heute meist in irgendein anderes Amt eingegliedert ist, z.B. das Ordnungsamt oder das Bürgeramt, angemeldet werden. Dazu füllt man das Formular „Gewerbe-Anmeldung“ aus. Das Formular kann man sich auf der Webseite der jeweiligen Gemeinde herunterladen, gegebenenfalls sogar elektronisch ausfüllen und dann in zwei Ausführungen ausgedruckt und unterschrieben zum Gewerbeamt mitnehmen. Man kann den Vordruck aber auch direkt im Gewerbeamt erhalten.

Auf der Gewerbeanmeldung gibt man zuerst seinen Namen, private Adresse und Kontaktdaten an. Die Adresse des Betriebs stimmt im Zweifelsfalle mit der privaten Adresse überein. Die angemeldete Tätigkeit sollte man weit fassen, denn wenn man später eine zweite Tätigkeit beginnt, und diese in die weite Tätigkeitsbeschreibung fällt, braucht man so kein neues Gewerbe anzumelden. Wenn man weiter hauptsächlich studieren bzw. angestellt arbeiten will, wird die Tätigkeit (vorerst) im Nebenerwerb betrieben. Man erstattet die Anmeldung für eine Hauptniederlassung und wegen Neugründung. Damit ist die Anmeldung vollständig.

Im Amt legt man seinen Personalausweis oder alternativ Reisepass und Anmeldebescheinigung vor, bezahlt eine gemeindeabhängige Gebühr zwischen 10 und 50 Euro (z.B. Berlin 26 Euro, München 43 Euro, Hamburg 20 Euro), und kann dann meistens das vom Amt unterschriebene und abgestempelte Formular als Gewerbeschein gleich mitnehmen.

Die Gewerbeanmeldung ist eine Anzeige einer gewerblichen Tätigkeit gegenüber der Gemeinde, keine Bitte um Erlaubnis. Das Amt darf daher eine Gewerbeanmeldung nur ablehnen, wenn z.B. für die Person eine Gewerbeverbot besteht.

Am besten beginnt man spätestens jetzt mit dem Gewerbeschein einen eigenen Ordner für Unterlagen, die das Unternehmen betreffen.

Das Amt informiert nun verschiedene Behörden, unter anderem das Finanzamt und die zuständige Industrie- und Handelskammer (IHK). Von der IHK bekommt man dann einen Willkommensbrief zugesandt.

1.5 Anmeldung beim Finanzamt – der „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“

Die Aufnahme sowohl gewerblicher als auch freiberuflicher Tätigkeiten muss man seinem zuständigen Finanzamt anzeigen. Falls ein Gewerbe angemeldet wurde, hat das Gewerbeamt mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Finanzamt Bescheid gesagt. Dem Finanzamt geht es aber in jedem Falle nur darum, dass man das Formular „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ ausfüllt. Man muss daher nicht auf den Brief vom Finanzamt warten, sondern kann das Formular gleich selbst ausfüllen und im Finanzamt abgeben oder dahin schicken. Das Formular kann man im Internet auf dem Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung ausfüllen und ausdrucken. Am besten druckt man es sich ein zweites Mal für die eigenen Unterlagen aus.

Zu dem Formular gibt es eine Ausfüllhilfe, die man auch auf dem Formularserver findet. Folgende Felder auf dem Formular könnten Schwierigkeiten bereiten oder erfordern Kenntnisse, über die Nichtunternehmer normalerweise nicht verfügen:

Steuernummer
Wenn man noch keine Steuernummer hat, lässt man das Feld frei. Es handelt sich hier um die alte Steuernummer. Sie besteht je nach Bundesland aus zwei oder drei Zifferngruppen von bis zu 5 Ziffern, getrennt durch einen Schrägstrich oder Leerzeichen. Zu einem noch nicht bekanntgegebenen Zeitpunkt wird die Steuer-Identifikationsnummer, die auf eine Person bezogen ist und sich niemals ändert, die alte Steuernummer ersetzen.
Identifikationsnummer
Seine Steuer-Identifikationsnummer hat man 2008 oder 2009 in einem Brief zugesendet bekommen. Wer den Brief verlegt oder nie bekommen hat, kann auf seiner Lohnsteuerkarte 2010 oder auf dem letzten Einkommensteuerbescheid nachgucken. Sollte das nicht helfen, kann man online um eine erneute Mitteilung bitten. Weitere Informationen beim Bundeszentralamt für Steuern.
Bankverbindungen
Bei Steuererstattungen kann es sich sowohl um Personensteuern (z.B. Einkommensteuer) als auch um Unternehmenssteuern (z.B. Umsatzsteuer) handeln. Falls man ein extra Girokonto für das Unternehmen hat, sollte man das private und das Geschäftskonto in den Zeilen 31 bzw. 34 angeben. Falls man ein Girokonto für beides benutzt, gibt man nur ein Konto für alle Steuererstattungen an (Zeile 23). Ob und in welchem Umfang man ein privates Girokonto für sein Unternehmen benutzen darf, ist im Einzelfall unterschiedlich. Der Girokontovertrag sollte Aufschluss geben.
Lastschrifteinzugsverfahren
Man kann dem Finanzamt eine Einzugserlaubnis erteilen, muss aber nicht. Wenn man es nicht macht, entstehen einem daraus keine Nachteile. Man muss nur selbst darauf achten, rechtzeitig zu zahlen.
Steuerliche Beratung
Wenn man einen Steuerberater hat und ihn mit steuerlichen Angelegenheiten des Unternehmens beauftragen will oder bereits hat, trägt man ihn hier ein. Oft füllt der Steuerberater dann auch dieses Formular selbst aus.
Bisherige persönliche Verhältnisse
Den gesamte Abschnitt 1.7 muss man nur ausfüllen, wenn man innerhalb des letzten Jahres in den Zuständigkeitsbereich des Finanzamtes zugezogen ist. Für einkommensteuerliche Zwecke erfasst war man, wenn man eine alte Steuernummer vom letzten Finanzamt hat; siehe Steuernummer weiter oben.
Art des Gewerbes/der Tätigkeit
Das kann man aus der Gewerbeanmeldung übernehmen; Freiberufler formulieren neu.
Anschrift des Unternehmens
Wie in der Gewerbeanmeldung: Falls man keine eigenen Unternehmensräume hat, ist die Privatadresse die Anschrift des Unternehmens.
Kammerzugehörigkeit
Handwerker sind Mitglied in der Handwerkskammer, alle anderen Gewerbetreibenden sind Mitglied in der IHK. Freiberufler sind in keiner dieser Kammern Mitglied.
Handelsregistereintragung
Wer ein Handelsgewerbe hat, ist Kaufmann, und muss sein Unternehmen im Handelsregister eintragen. Als Handelsgewerbe gilt jeder Gewerbebetrieb, falls er einen „nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb“ erfordert (§1 Handelsgesetzbuch (HGB)). In der Praxis bedeutet das, dass ein Einzelunternehmen mit entsprechend niedrigen Umsätzen zumindest zu Anfang nicht ins Handelsregister eingetragen werden muss. Spätestens allerdings wenn der Gewinn 50.000 Euro oder der Umsatz 500.000 Euro im Jahr überschreitet (§141 Abgabenordnung (AO)), muss man ordentlich Bücher führen, und sich auch im Handelsregister eintragen lassen. Freiberufler müssen sich unabhängig von Umsatz und Gewinn nicht im Handelsregister eintragen lassen, da ihre Tätigkeit nicht gewerblich ist.
Ort der Geschäftsleitung
Fällt im Normalfall mit der Anschrift des Unternehmens zusammen und muss dann nicht angegeben werden.
Gründungsform
Normalerweise handelt es sich um eine Neugründung zum in der Gewerbeanmeldung angegeben Datum, bei Freiberuflern zum Datum des Beginns der Unternehmenstätigkeit. Das Datum kann auch in der Vergangenheit liegen.
Voraussichtliche Einkünfte
Hier muss man alle Einkünfte, die man im laufenden und im folgenden Jahr haben wird, schätzen. Unter „Nichtselbständiger Arbeit“ fasst man alle Bruttoeinkünfte aus Angestellten-, Werkstudenten- und ähnlichen abhängigen Arbeitsverhältnissen zusammen. Bei „Gewerbebetrieb“ wird der geschätzte Gewinn der gewerblichen Tätigkeit eingetragen, bei „selbständiger Arbeit“ der der freiberuflichen Tätigkeit.

Der Gewinn sind Einnahmen minus Ausgaben, kann also auch negativ sein. Man sollte hier durchaus vorsichtich realistisch abschätzen, auf den Euro kommt es aber nicht an. Die Höhe der Sonderausgaben kann man z.B. anhand des letzten Steuerbescheides schätzen. Das Finanzamt verwendet diese Angaben zur Berechnung der Vorauszahlungen zur Einkommen- und Gewerbesteuer.

Man kann in jedem Fall immer mit dem Beamten im Finanzamt reden, falls sich der geschätzte Gewinn nicht einstellt und die Vorauszahlungen zu hoch sind. Wenn man zu niedrig schätzt, kann einem das in den seltensten Fällen vorgeworfen werden, es kommt jedoch möglicherweise zu einer relativ hohen Jahreszahlung nach der ersten Steuererklärung.

Gewinnermittlung
Die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ist die einfachere Art der Gewinnermittlung. Der Begriff steht im Gegensatz zum Begriff Buchführung, die heute u.a. die sogenannte doppelte Buchführung und einen Jahresabschluss beinhaltet. Freiberufler dürfen unabhängig von der Höhe von Gewinn und Umsatz ihren Gewinn mit der EÜR ermitteln. Gewerbliche Unternehmen sind ab einem Gewinn von 50.000 Euro oder einem Umsatz von 500.000 Euro im Jahr und nachdem sie das Finanzamt auf die Pflicht zur Buchführung hingewiesen hat, zur Buchführung verpflichtet.
Abweichendes Wirtschaftsjahr
Normalerweise stimmt das Wirtschaftsjahr mit dem Kalenderjahr überein. Dies gilt auch, wenn das Unternehmen zu einem anderen Datum als dem 1. Januar gegründet wurde. Das unvollständige Wirtschaftsjahr wird in diesem Fall Rumpfjahr genannt.
Bauabzugssteuer
Dieser Punkt kommt überhaupt nur in Betracht falls man beabsichtigt, in erheblichem Umfang (ab 5.000 Euro) Bauleistungen in Auftrag zu geben.
Angaben zur Lohnsteuer
Wenn man keine Mitarbeiter anstellen will, trägt man 0 bei der Anzahl der Arbeitnehmer ein.
Angaben zur Umsatzsteuer – Gesamtumsatz
Der Umsatz entspricht den Einnahmen ohne Abzug der Ausgaben aller selbständigen Tätigkeiten zusammen, also ggfs. der freiberuflichen und der gewerblichen Tätigkeit. Die Schätzung sollte zusammen mit dem geschätzten Gewinn ein plausibles Bild ergeben, sonst wird das Finanzamt nachfragen. Der Umsatz ist also mindestens so hoch, wie der Gewinn. Falls der Jahresumsatz (im ersten Geschäftsjahr gegebenenfalls auf ein ganzes Jahr hochgerechnet) 17.500 Euro nicht übersteigt, kann man die für die meisten Einzelunternehmer günstige Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen.
Kleinunternehmerregelung

Als Unternehmer mit einem Jahresumsatz unter 17.500 Euro darf man die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Die Regelung besagt, dass man keine Umsatzsteuer auf seine Umsätze abführen muss, und dass man sich die Umsatzsteuer in seinen Ausgaben nicht erstatten lassen kann. Dies ist eine Aufwandsentlastung für das Finanzamt und den Unternehmer dadurch, dass keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgegeben und keine Umsatzsteuervorauszahlungen geleistet werden müssen. Der Staat verzichtet dadurch auf die Umsatzsteuer aus den meisten Leistungen des Kleinunternehmers.

Der Kleinunternehmer kann durch die Regelung Verbrauchern billiger anbieten, da der Verbraucher die Umsatzsteuer für den Eigenleistungsanteil des Kleinunternehmers nicht aufbringen muss. Für Unternehmen wird es bei gleichem Gewinn teurer, da das Unternehmen die Umsatzsteuer für den Fremdanteil der Leistung des Kleinunternehmers aufbringen muss. Wenn der Fremdanteil niedrig ist, wie etwa bei vielen Dienstleistungen, ist der Nachteil dementsprechend klein.

Mit der Kleinunternehmerregelung kann man sich auch die Umsatzsteuer aus eventuellen hohen Investitionen am Anfang der Unternehmenstätigkeit nicht erstatten lassen. Bei manchen Unternehmen kann auch dieses das ausschlaggebende Kriterium sein.

Nicht alle Unternehmenskunden dürfen sich jedoch gezahlte Umsatzsteuer erstatten lassen. Andere Kleinunternehmer z.B. nicht. Außerdem gibt es Umsätze, auf die keine Umsatzsteuer erhoben wird, unabhängig davon, ob der leistende Unternehmer die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt. Dies sind jedoch Ausnahmen.

Die Regelung muss nicht in Anspruch genommen werden. Wenn man auf ihre Anwendung verzichtet, ist man für 5 Jahre an diese Entscheidung gebunden. Diese Bindung tritt einen Monat nach Abgabe der ersten Umsatzsteuerjahreserklärung ein. Wenn man sich also später umentscheidet, müssen bereits gestellte Rechnungen korrigiert werden. Oft vergeht bis zur ersten Rechnung aber etwas Zeit, und diese Zeit hat man erstmal, um diese Entscheidung genau zu durchdenken.

Organschaft
Organschaft meint die steuerrechtliche Beziehung eines Konzerns zu seinen Tochterunternehmen. Sie besteht bei Einzelunternehmern im Normalfall nicht.
Steuerbefreiung
Je nach Art ist ein Umsatz (also ein Erlös) entweder steuerbar, oder er ist es nicht. Steuerbare Umsätze werden je nach Art gegenüber dem Verbraucher entweder mit einem bestimmten Umsatzsteuersatz („Mehrwertsteuersatz“) in Höhe von 19 oder 7 Prozent belegt und sind damit steuerpflichtig, oder sie sind steuerbefreit. Hier ist die Art der steuerbefreiten Umsätze anzugeben, die voraussichtlich getätigt werden. Zu den steuerbefreiten Umsätzen gehören im Wesentlichen bestimmte Exporte, Lieferungen an Unternehmer in der EU, Mieten, bestimmte medizinische Dienstleistungen und anderes, siehe §4 Umsatzsteuergesetz (UStG). Die meisten Umsätze der meisten Unternehmer sind nicht steuerbefreit. Das Finanzamt benutzt diese Angabe in erster Linie zur Plausibilitätsprüfung.
Steuersatz
Hier ist die Art der steuerermäßigten Umsätze anzugeben, die voraussichtlich getätigt werden. Zu den steuerermäßigten Umsätzen gehört im Wesentlichen die Lieferung von bestimmten Lebensmitteln, Tieren, Pflanzen und Büchern, zahnärztliche Leistungen, Lieferungen und Leistungen im Zusammenhang mit bestimmte künstlerische Darstellungen und anderes, siehe §12 Absatz 2 UStG. Das Finanzamt benutzt diese Angabe in erster Linie zur Plausibilitätsprüfung.
Soll-/Istversteuerung der Entgelte
Wenn man sich für die Kleinunternehmerregelung entschieden hat, braucht man hier nichts einzutragen.

Sollversteuerung, auch „Berechnung nach vereinbarten Entgelten“, bedeutet, dass der Zeitpunkt, an dem das Unternehmen Umsatzsteuer abführen muss, sich nach dem Datum richtet, an dem die Leistung bzw. Lieferung erbracht wurde. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn die dazugehörige Rechnung noch nicht bezahlt wurde, das heißt, selbst wenn die dazugehörige Umsatzsteuer noch gar nicht eingenommen wurde. Bei der Istversteuerung dagegen richtet sich der Zeitpunkt nach dem Zeitpunkt der Vereinnahmung des Entgelts. Die Istversteuerung wird auch „Berechnung nach vereinnahmten Entgelten“ genannt. Die Sollversteuerung ist der Normalfall. Die Istversteuerung ist nur für Unternehmen erlaubt, deren Gesamtumsatz im vorangegangenen Jahr weniger als 500.000 Euro (ab 2012 250.000 Euro) betrug, sowie für Freiberufler (§20 UStG). Falls die Möglichkeit dazu besteht, sollte die günstigere Istversteuerung beantragt werden. Der Antrag kann auch zu jedem späteren Zeitpunkt formlos gestellt werden.

Dauerfristverlängerung
Wenn man sich für die Kleinunternehmerregelung entschieden hat, braucht man hier nichts einzutragen.

Wenn man kein Kleinunternehmer ist, muss man in den ersten beiden Kalenderjahren jeden Monat eine Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben und eine entsprechende Umsatzsteuervorauszahlung leisten. Ab dem dritten Jahr hängt der Voranmeldungszeitraum vom Betrag der im vorangegangenen Jahr angefallenen Umsatzsteuer ab: Bei einer Umsatzsteuerzahllast von über 7.500 Euro bleibt es bei einem einmonatigen Voranmeldungszeitraum. Zwischen 1.000 und 7.500 Euro ist der Voranmeldezeitraum das Kalendervierteljahr. Bei unter 1.000 Euro kann das Finanzamt den Unternehmer von der Verpflichtung zu Voranmeldungen befreien. (§18 Absätze 2 und 2a UStG)

Der Unternehmer kann nun auf Antrag die Frist zur Abgabe dauerhaft um einen Monat verlängern. Dem Antrag wird regelmäßig stattgegeben. Er bewirkt, dass monatliche und vierteljährliche Voranmeldungen bis zu einen Monat später abgegeben werden dürfen, also z.B. die Voranmeldung für April bis zum 10. Juni anstatt bis zum 10. Mai. Bei monatlichen Voranmeldungen kann man dadurch die Voranmeldungen für das gesamte Jahr an 6 Terminen erledigen, jeweils für 2 Monate. Bei vierteljährlichen Voranmeldungen hat man einfach einen Monat mehr Zeit. Falls die Möglichkeit dazu besteht, sollte der Antrag gestellt werden. Der Antrag kann auch zu jedem späteren Zeitpunkt formgebunden gestellt werden.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer
Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) dient in erster Linie dem Nachweis der Unternehmereigenschaft beim Handel innerhalb der EU. Sie kann außerdem auf Rechnungen an Stelle der normalen Steuernummer verwendet werden. Da die normale Steuernummer potentiell Missbrauch ermöglicht – man suche im Internet nach Steuernummer und Missbrauch – kann es auch zur Vorbeugung dessen sinnvoll sein, eine USt-IdNr. zu beantragen.

Entgegen dem Anschein, den das Formular erweckt, dürfen auch Kleinunternehmer eine USt-IdNr. beantragen, ohne dass eine der auf dem Formular angegebenen Gründe vorliegt. Man kreuzt dann einfach an, dass man eine USt-IdNr. beantragt, kreuzt aber keinen der Gründe an. Falls das Finanzamt nachfragt, bestätigt man, dass man trotz Nichtvorliegen der zur Auswahl stehenden Gründe eine USt-IdNr. beantragt und erläutert gegebenenfalls, warum.

Die USt-IdNr. kann auch jederzeit später online beim Bundeszentralamt für Steuern beantragt werden.

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer darf nicht mit der Steuer-Identifikationsnummer verwechselt werden.

Das Formular muss unterschrieben werden. Das Finanzamt teilt einem nach der Bearbeitung des Formulars schriftlich eine neue Steuernummer mit, die die alte Steuernummer ersetzt. Wenn man den Fragebogen im Finanzamt persönlich abgibt, kann ein Sachbearbeiter das Formular durchgucken und einem meistens gleich seine neue Steuernummer mitteilen. Man kann bei der Gelegenheit gleich nach Namen und Durchwahl seines zuständigen Sachbearbeiters fragen. Diesen kann man bei Fragen und Problemen anrufen.

Falls man eine USt-IdNr. beantragt hat, kommt diese auch nach ein paar Tagen per Post an.

Mit Erhalt der Steuernummer kann man nun als ordentlicher Unternehmer Rechnungen schreiben und im Internet auftreten.

Eine Kopie des ausgefüllten Fragebogens und die Mitteilungen über die Steuernummer und die USt-IdNr. gehören in den Unternehmensordner.

1 Kommentar

  1. caram sagt:

    sehr hilfreicher artikel, – danke! ich freue mich das buch lesen zu koennen!

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